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Biotoptracht

Im Jahre 1974 entdeckte der Biologe Andreas Suchantke bei der Untersuchung afrikanischer Tagfalter, dass  die Farbtracht der meisten Schmetterlinge fast präzise das Licht- und Farbenspiel ihres Lebensraumes abbildet.  Unabhängig von ihrer systematischen Zugehörigkeit zeigen die Fluggemeinschaften der lichten Küstenwälder eine kontrastreiche, stark konturierte schwarz-weisse Zeichnung. Im dunklen  "Nebelwald" der Bergregionen fand er hingegen Falter, welche in ihrer Farbgebung das düstere, abgedämpfte Licht ihrer Flugumgebung abbilden. Diese Ähnlichkeit zwischen der Farbgebung und Musterung der Schmetterlinge, unabhängig von ihrer verwandtschaftlicher Zugehörigkeit, mit dem Licht- und Farbenspiel ihres Lebenraumes bezeichnete Suchantke als Biotoptracht.

Weniger deutlich lässt sich das Phänomen der Biotoptracht  in den gemässigten Breiten feststellen. In der mosaikartigen europäischen Kulturlandschaft begegnen sich Arten unterschiedlichster Habitate auf ihrer Nahrungs- und Partnersuche. Erst die  Entdeckung dieses Phänomens an tropischen  Schmetterlingen machte den Blick frei für diese Erscheinung in den gemässigten Breiten. (Suchantke 1991)

Mitteleuropäische Kulturlandschaften, die in ursprünglicher und in gewissem Sinne idealer Form nur noch an wenigen Orten im Wallis, im Jura, auf der Schwäbischen Alb oder am Kaiserstuhl vorhanden sind, zeigen auf kleinstem Raum ein reiches Mosaik. Durchlichtete warme Felsgebiete, Magerrasen, blumenreiche Wirtschaftswiesen. Feldraine und Äcker. Gebüschen und Hecken, Wald und Waldlichtungen berühren und durchdringen sich.

In diesem Landschaftsmosaik leben eine Fülle von verschiedenen Schmetterlingsarten, die in Färbung und Verhalten Qualitäten ihrer Lebensräume widerspiegeln.

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