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Hier folgen in loser Folge kleine Beobachtungen und Notizen aus dem Schmetterlingsgarten

Tagpfauenauge findet vorübergehend eine duftende Herberge...
Das Tagpfauenauge (Inachis ino) ist eine der wenigen Schmetterlingsarten, welche den Winter als Falter überwintern. Manchmal schon im August suchen sie in einem Keller, Estrich, oder hohlen Baum ihr Winterquartier.
Dieser Falter (siehe Bild) hat sich während den nass-kalten Tagen im Oktober ein süss-duftendes Zwischenquartier auf den Verbenen in unserem Gewächshaus ausgewählt. Allerdings wurde es ihm dort dann beim wiederkehrenden Sonnenschein doch zu warm und flog wieder hinaus.

Nierenfleckfalter – Ein beseeltes Herbst-Sinnbild
Der Herbst offenbart sich in grundsätzlich zwei gegensätzlichen Gesten: In der Überfülle an sonnengereiftem Obst und Nüssen können wir den Sommer wie noch einmal geniessen und uns nähren – Auf der anderen Seite verwelkt im Herbst die lebendige Pflanzengestalt und stirbt ab; in diesem Abbau-Prozess kommen langsam, die unter dem grünen Chlorophyll liegenden Carotinoide, in herrlich leuchtenden Rot- und Goldtönen zum Vorschein. Carotinoide sind die Lichtsammler und Lichtventile der grünen Pflanze (Photosynthese)
Dieses Pendeln von „Geniessen und Loslassen“ macht uns oft etwas schwermütig und erfordert viel innere Kraft... Mut dazu können uns die Schmetterlinge geben, denn in der Metamorphose vom Ei bis zum fliegenden, von der Erde weitgehend befreiten Falter sind sie ein lebendiges Vorbild für die im Herbst gefragte Verwandlungsfähigkeit.
Die Schmetterlinge haben die Aufgabe übernommen, Erdenmaterial und Erdenschwere zu vergeistigen. Der an warmgoldenen Oktobertagen zum Vorschein kommende Nierenfleck- Zipefelfalter (Thecla betulae) ist mit seiner leuchtend carotinfarbenen Flügelunterseite ein wunderbar schönes Sinnbild. Nicht wie ein farbiges Blatt fällt der Falter zu Boden - nein, er umspielt den Lichtraum der Schlehen und wilden Zwetschgen aktiv und knüpft so in der reifenden Hecke und artenreichen Waldrändern ein beseeltes Lichtwärme-Netz.
Schön, wenn er auch in unserem Herzen ein goldenes Netz weben kann?


Besondere Gäste im Spätsommer...
Jetzt kommen sie wieder die Grossen Waldportiers (Brintesia circe) in ihrer kontrastreichen Schwarzweisstracht!
Es ist bekannt, dass im Spätsommer die Weibchen dieser attraktiven Art weitab von ihren angestammten Lebensräumen umherstreifen. In der Region Basel sind die seltenen Falter an südexponierten Waldrändern mit angrenzenden trockenen Magerwiesen und Weiden im Laufental, im nahen Sundgau und jedes Jahr auch am Goetheanum anzutreffen. So konnten in einem trockenheissen Altgrashang in der Felsliwiese, jeweils im August und September schon Eiablagen beobachtet werden. Die bevorzugte Raupenfutterpflanze ist die Aufrechte Trespe. Ohne diese Altgrasinseln an geeigneten Stellen, würde dieser majestätisch anmutende Falter mit grossem flappenden Flügelschlag, wohl kaum die Goetheanumerde berühren wollen...
Der Russische Bär oder Spanische Flagge (Panaxia quadripunctaria)
Dieser südeuropäischen Falter hat das „Schmetterlingstal“ von Petaludes auf Rhodos wegen seiner sommerlichen Massenvorkommen berühmt gemacht. (Weitere Informationen) Der schöne Bärenspinner ist in der Ruhestellung oder bei der Nektaraufnahme (die Falter lieben Wasserdost, aber auch Buddleia etc.) kaum zu sehen: oft verschwindet die schwarz-weisse Streifung seiner Vorderflügel im Licht-und Schattenspiel der Vegetation – fliegt er aber auf, leuchtet er uns wie ein rot-bunter Farbentupfer entgegen. Die in der Ruhestellung verdeckten Hinterflügel sind rot mit schwarzen Punkten gefärbt.
Die Raupen fressen ab September u.a. an Taubnessel, Brennessel, Hasel, Brombeere. Nach der Überwinterung im nächsten Juni verpuppen sie in einem weichen weißgrauen Gespinst am Boden. Im Juli schlüpft dann die nächste Generation der Spanischen Fahne.

Ein unscheinbarer Falter im August In der vielfältigen Landschaft um die Sternwarte, mit Magerstandorten und Blumenwiesen kann man auch im Spätsommer noch Schmetterlinge entdecken:
Ein typischer Vertreter, der in Bodennähe fliegenden "geophilen" Falter ist der Rote Würfelfalter (Pyrgus sertorius). Das auch im Bodenbereich reich strukturierte Biotop bei der Sternwarte bietet dem Roten Würfelfalter ideale Bedingungen. Auch diese Art legt ihre Eier in die Blütenknospen, diesmal vom Kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor). Die kleinen Räupchen ernähren sich dann von unreifen Samen und später von Blättern. Überwinterung als erwachsene Raupe in der Pflanzenstreu unter Blättern.

Silberblau - geflügeltes Kleinod: Der Geschwänzte Bläuling (Everes argiades) auf den Goetheanumwiesen
Mehr als 80 Jahre war dieser schöne silbrig-blaue Falter mit den kräftigen orangefarbigen „Augen“ und dem kurzen Schwänzchen in der Nordwestschweiz verschwunden. Im heissen Sommer 2003 konnten im Birseck und am Goetheanum wieder einige „kugelgeschwänzte Bläulinge“ beobachtet werden. Auch dieses Jahr sind die Falter seit anfang Juni, und vor allem im Juli auf den Goetheanumwiesen recht häufig anzutreffen!
Die nächsten Fundstellen dieser Rote Liste Art fanden sich Ende der achtziger Jahre nur noch im 60 km entfernten Kaiserstuhl - Gebiet. In der südlichen Oberrheinebene wurde sie ab 1986 nicht mehr gefunden. Zeitlich noch weiter liegen die letzten Beobachtungen in der Umgebung von Basel: in der Reinacherheide wurde der Bläuling in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum letzten Mal gesehen!
Die Art liebt warme sonnige Randstrukturen in Naturwiesen z.b. entlang von Wegrändern und Böschungen. Die Eiablage erfolgt in die Köpfchen vom Wiesenrotklee und dem Gewöhnlichen Hornklee. Im Köpfchen lebt die junge Raupe von E. argiades versteckt und verlässt dieses einen Monat nach der Eiablage als erwachsene Raupe.
Ohne ökologisch bewirtschaftete (Mosaikmahd!) strukturreiche Wiesen könnte der Falter sich nicht weiter ausbreiten – trotz Klimaerwärmung!



Sommerfalter - Schachbrett und Grosses Ochsenauge
Neben den häufigen Sommerfaltern, wie das Grosse Ochsenauge (Maniola jurtina) der Braune Waldvogel (Aphantopus hyperantus) und das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) fliegt bei uns auch der schöne schwarz-weiss gemusterte Schachbrettfalter oder das Damenbrett (Melanargia galathea). Seit seiner Wiederansiedlung vor zehn Jahren hat sich bis heute eine winzig-kleine Population auf den Goetheanumwiesen halten können.
Obwohl weit verbreitet, ist diese Art vor allem im Flachland nicht mehr häufig. So gibt es beispielsweise im nahen Birseck zwischen Aesch und Basel nur noch zwei bis drei kleine, voneinander getrennte Populationen, welche sehr gefährdet sind. Stirbt an einem Standort der Schachbrettfalter durch falsche Pflege (z.b. Schafstandweide) oder starken Parasitenbefall aus, kommt es kaum wieder zu natürlichen Wiedereinwanderungen: die regionalen Reliktpopulationen sind zu klein und zu weit voneinander entfernt. Im Gegensatz zu einigen „wanderfreudigeren“ Bläulingsarten, wie Zwergbläuling (Cupido minimus) und Geschwänzter Bläuling (Everes argiades), scheint beim Damenbrett die ökologische Aufwertung des Landwirtschaftslandes bis jetzt kaum Wirkung zu zeigen.
Wollen wir uns weiterhin an den luftig-leichten Flugspielen des Schachbrettfalters über unseren sommerlichen Wiesen erfreuen, bleibt wohl nur eine erneute „natürlich-künstliche“ Wiederansiedlung durch Einbringen von Raupen und Eiern!
Literaturhinweis: Über den Zusammenhang von Landschaftsqualität und Verhalten, bzw. Raumnutzung des Schachbrettfalters ist 2004 am Forschungsinstitut am Goetheanum eine Arbeit von Johannes Wirz & Daniel Kuster erschienen. (kann als pdf-Datei unter folgender Adresse heruntergeladen werden: www.schmetterlinge.goetheanum.org/1507.html)
 - Schachbrett und Grosses Ochsenauge, beide auf Flockenblume


Kaum bemerkt... Flugzeit vom Aurorafalter ist zu Ende
Mit diesem Wetter „Grau in Grau“ oder „Nass in Nass“ fällt es einem schwer die jahreszeitlichen Veränderungen in der Natur mitzuerleben und deutlich im Bewusstsein festzuhalten. In der Landschaft hängt alles tief und triefend - die sonst im Frühsommer plastisch und deutlich hervortretenden Farben und Formen der Blüten und der licht- und wärmeliebenden Schmetterlinge, verschmelzen mit dem Nass in Nass des vegetativen Hintergrundes.
Wo sind die Schmetterlinge geblieben? Fast unbemerkt ist der Frühlingsfalter, der Aurora (siehe im Aprilbericht, weiter unten) verschwunden - die spannende Zeit des Aufwachens ist vorbei! Aber bei etwas genauerem Hinschauen in dem alles beherrschenden Grün treffen wir sie wieder: Aurora hat sich, in eine, dem momentanen Kolorit gemässere Form, verwandelt. Jetzt frisst und wächst sie an den Schoten ihrer Raupenfutterpflanze (hier am Silberling oder Mondviole, Lunaria rediviva) Achten wir beim Zurückschneiden der Staudenrabatten und Krautsäume nicht auf diese Lebewesen, wird uns beim nächsten Frühlingserwachen sicher was fehlen! Oder?
 - Verschmilzt mit der Umgebung im Krautsaum: Raupe vom Aurorafalter (Fotos vom 15.Juni 2008)


Strahlendes Frühsommerblau - Der Himmelblaue Bläuling
Auf dem Bild unten sehen sie den Lebensraum vom Himmelblauen Bläuling (Polyommatus bellargus) bei der 1998 neu gebauten Trockenmauer, östlich des Goetheanums. Zusammen mit seiner Raupenfutterpflanze, dem Hufeisenklee ist der Himmelblaue Bläuling weitgehend aus unserer Landschaft verschwunden. Durch die Neuschaffung von lichten hellen Lebensräumen und durch gezieltes Einbringen von Raupenfutterpflanzen fand dieser schöne Bläuling, zusammen mit dem Silbergrünen Bläuling und dem Zwergbläuling am Goetheanum wieder ein Zuhause. Die nächsten Populationen dieser Arten finden sich in der Reinacherheide, ca. 2 Km vom Biotop am Goetheanum.
 - Männchen und Weibchen vom Himmelblauen Bläuling auf der Trockenwiese, östlich des Goetheanums. 29.Mai 2008.

Der erste echte Wiesenbewohner: Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus)
Nach der ersten "Blütenwelle" mit Löwenzahn und Wiesenschaumkraut erscheinen im Mai auf unseren Wiesen die ersten Wiesenfalter, wie der weiss-zarte Tintenfleck (Leptidea sinapis), die Bläulinge und das unscheinbare braun und grau gefärbte Kleine Wiesenvögelchen. Alle diese Falterarten leben ganzjährig im Wiesenraum, d.h. ihre gesamte Entwicklung vom Ei bis zum Falter findet in der Wiese statt. Das Kleine Wiesenvögelchen ist ein typischer "Absorptionssonner": auf ungeteerten Feldwegen, Fahrrinnen und kahlen Vegetationstellen "liegt" das Männchen oft seitlich auf einer Warte (z.b. einem Wegerichköpfchen) und wartet - wie mit einem wachen Auge - auf vorbeifliegende Weibchen. Das Weibchen klebt dann seine Eier nicht weit über dem Boden an einen Grasstängel. Die Raupe ernährt sich bis zu ihrer Verpuppung von diversen Grasarten (Rotschwingel, Strauss - und Rispengräser).
Obwohl noch überall verbreitet, findet derzeit ein kaum beachteter Rückgang dieses "gewöhnlichen" Falters statt. Die zunehmende intensive Nutzung der Wiesen (Stickstoffdüngung und die damit einhergehende häufige und frühe Mahd) bietet diesem einst häufigen Wiesenbewohner kaum noch Lebensmöglichkeiten.
 - Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha papmphilus) liebt lückige Stellen in der Wiese


Zwergbläuling (Cupido minimus)
Seit zwei Jahren kann man im neugeschaffenen Biotop bei der Sternwarte den kleinsten Bläuling Europas beobachten. So unübersehbar seine Raupenfutterpflanze, der Wundklee (Anthyllis vugaris) den Ort im Mai und anfang Juni prägt, so unauffällig lebt der braun-silberne Zwergbläuling im Wundklee-Lebensraum. Nur wenige Pflanzen an trockenen kalkreichen Standorten genügen ihm offenbar, um sich aus mehr als 4 Kilometer Entfernung in wenigen Jahren ansiedeln zu können. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man weiss, dass beide Arten, der Wundklee, wie auch der Falter bei uns nicht mehr häufig sind! Das Weibchen legt seine weissen, reich strukturierten Eier in die wolligen Blütenköpfe des Wundklees. Die Raupe von C. minimus lebt versteckt im Blütenkelch und frisst dann die anreifenden Samen. Wollen wir den kleinen Bläuling erhalten und fördern , dürfen wir solche Lebensräume nicht vor Anfang/Mitte Juli mähen!

Aurorafalter fliegt nur über sonnige Wiesen...
Der Aurora ist ein Frühlingsbote –zur Zeit der Löwenzahnblüte kann man den weiss-orange leuchtenden Falter auf morgendlich durchsonnten Maiwiesen beobachten. Selten kann man das schöne Männchen auf einer Blüte, wie z.b. auf dem Wiesenschaumkraut beobachten, denn bei schönem Wetter durchfliegt es Wiesen und Waldränder beinahe pausenlos: es ist auf der Suche nach frisch geschlüpften Weibchen! Das unscheinbare Weibchen legt seine spindelförmigen orangen Eier an frische Blütenstiele von Kreuzblütlern. Gut zehn Monate überdauert die holzartig wirkende Puppe im stehengelassenen Krautsaum der Hecke. Mähe ich solche Säume, vor allem in der Nähe seiner Raupenfutterpflanze (am Goetheanum oft an Knoblauchhederich) schneide ich mir auch etwas „Frühlingsfreude“ in der Landschaft weg!
 - Das Männchen vom Aurorafalter verweilt nur kurze Zeit auf Wiesenschaumkraut oder zum Sonnen in Bodennähe

Frühblüher - Frühflieger: Der Grosse Fuchs und andere...
Mit den ersten Blüten, wie Schneeglöcklein, Krokussen, Märzenbecher, welche den winterlich kalten Boden durchstossen, erscheinen im zunehmend stärker durchwärmten Luftraum auch die ersten Schmetterlinge. Der leuchtend gelbe Zitronenfalter, die braunfarbigen Nesselfalter Kleiner Fuchs und das Tagpfauenauge - sie alle überwintern als Falter und lassen sich durch die ersten warmen Sonnenstrahlen, schon im Februar aus ihren Ruheverstecken hervorlocken.
Weniger bekannt und erst seit 2006 wieder etwas häufiger auftretend, ist der Grosse Fuchs (Nymphalis polychloros). Sein Lebensraum sind warme, geschützte Waldränder, Lichtungen und Wege in Laubwäldern. Im Siedlungsraum bewohnt er gerne auch strukturreiche Gärten und Streuobstwiesen. Wie 2007 konnten wir den seltenen Falter im Goetheanumpark - wohl als Folge der warmen Winter- auch 2008 schon Ende Februar beim Sonnenbaden in der Bodenstreu oder an Baumstämmen beobachten. Seine wichtigste Raupennahrungspflanze ist die Salweide, aber auch Ulmen, Zitterpappel, die Süsskirsche (Weichsel) und der Birnbaum spielen eine Rolle. Aus heute unverständlichen Gründen wurden die gesellig in Gespinsten lebenden Raupen von N.polychloros früher chemisch bekämpft. Neben der gleichzeitig einhergehenden Aufgabe von Streuobstwiesen ist dies ein wichtiger Grund, warum der Falter in den letzten 30-40 Jahren in Mitteleuropa kaum mehr zu finden war.
 - Der Grosse Fuchs (N.polychloros) beim Sonnenbad in der Nähe der Gärtnerei. 26. Februar 2008
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