Masseneinflug von Distelfaltern
Seit ein paar Tagen ist der Luftraum in unseren Breiten belebt und beseelt mit einer Fülle von ziehenden Faltern. Tausende Distelfalter (Vanessa cardui) aus Südeuropa und Afrika wandern über die Alpen in unsere Breiten. Schaut man zum Beispiel an einem Fluss, wie der Birs eine längere Zeit übers Wasser, bemerkt man Dutzende dieser „staubigen Wandergesellen“ sich deutlich nach Norden bewegen. Bis zwanzig Schmetterlinge pro Minute liessen sich am 16. Mai dort zählen! Gerne machen sie auch Rast in unseren blühenden Wiesen, wo sie sich vor allem am Rotklee und der Feldwitwenblume für kurze Zeit verköstigen. Schaut man genauer hin, ist man überrascht von der Schönheit ihrer farbigen Flügelpracht.
Solche Massenwanderungen von Distelfaltern hat es immer wieder gegeben. Stellvertretend für viele Berichte zitiert Hörner in seinem Buch „ Der Schmetterling“, Stuttgart 1991: „Der große alte Schmetterlingsforscher Adalbert Seitz hat den Massenaufbruch von Distelfaltern erlebt und dieses Schauspiel einer sanften Gewalt in der Natur aufgezeichnet: »In Nordafrika lag ich einmal in den Morgenstunden an den Ufern des Mittelmeers. Die schräg ansteigende, vollständig verdorrte Halde war dicht besetzt mit dürren Distelbüschen. In jedem Busch hingen Puppen von Distelfaltern, die alle schlüpfreif waren. Nach kurzer Zeit, etwa einer halben Stunde, öffneten sich die Puppen und die Falter schlüpften, nach einer weiteren Stunde waren alle ausgewachsen, und kurz darauf, wie auf Kommando, erhob sich die große Schar und flog wie eine Wolke über das Mittelmeer« (BLAB 1987). „