Das Goetheanum
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Jahreszeitliche Schmetterlingsbeobachtungen

Hier folgen in loser Folge kleine Beobachtungen und Notizen aus dem Schmetterlingsgarten


Johannizeit

Sommerfalter - Schachbrett und Grosses Ochsenauge

Neben den häufigen Sommerfaltern, wie das Grosse Ochsenauge (Maniola jurtina) der Braune Waldvogel (Aphantopus hyperantus) und das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus)  fliegt bei uns  auch der schöne schwarz-weiss gemusterte Schachbrettfalter oder das Damenbrett (Melanargia galathea).  Seit seiner Wiederansiedlung vor zehn Jahren hat sich bis heute eine winzig-kleine Population auf  den Goetheanumwiesen halten können.

Obwohl weit verbreitet, ist dieser "Sommervogel" vor allem im Flachland nicht mehr häufig. So gibt es beispielsweise im nahen Birseck zwischen Aesch und Basel nur noch zwei bis drei kleine, voneinander getrennte Populationen, welche sehr gefährdet sind.

Durch Fördern von Blumenwiesen und spätblühenden Säumen mit Flockenblumen, Dost etc. in der offenen Feldflur können wir das lichte Spiel der Schachbrettflügel wieder in unsere Landschaft bringen.

Literaturhinweis: Über den Zusammenhang von Landschaftsqualität und Verhalten, bzw. Raumnutzung des Schachbrettfalters ist 2004 am Forschungsinstitut am Goetheanum eine  Arbeit von Johannes Wirz & Daniel Kuster erschienen. (kann als pdf-Datei unter folgender Adresse heruntergeladen werden: www.schmetterlinge.goetheanum.org/1507.html)

 

 

Schachbrett und Grosses Ochsenauge auf noch nicht gemähten Johanniwiesen


Frühsommer

Falterleben vor Johanni

Mit dem Verblühen und Reifen der Wiesen sind auch die frühfliegenden Bläulingsarten und der Aurorafalter verschwunden. Die massenhaft eingeflogenen Distelfalter sind weniger geworden und viele von ihnen haben kaum noch Farben an ihren Flügeln.
In der braun-goldenen Heuwiese machen sich schon seit ein paar Wochen andere Falter, wie das Ochsenauge und das Schachbrettfalter bemerkbar; Während das braune Ochsenauge noch lange, bis in den September in den Wiesen und angrenzenden blütenreichen Staudenbeeten und Säumen anzutreffen ist, gibt das Schachbrett bei uns nur ein kurzes Gastpiel. Wir werden uns in einem späteren Beitrag noch einmal dem schönen lichten Falter  zuwenden.
Ein ganz anderer, mehr “nach innen” gerichteter Blick  macht uns auf  die verborgenen Lebensstadien der “verschwundenen” Aurorafalter  aufmerksam:  Die  Raupe mit ihrem Silberstreifen  ist nur schwer von den Schoten ihrer Futterpflanze (hier auf der Mondviole oder Silberling) zu unterscheiden. Von weitem verschmilzt sie mit dem Liniengewirr und Farbigkeit der abgeblühten Pflanze. 
Bevor wir, die jetzt nicht mehr  besonders attraktive Pflanze zurückschneiden und auf den Kompost werfen, lohnt sich ein kurzes Absuchen nach  Auroraraupen – Der sich entwickelnde Lebensraum vom Aurora ist nicht nur die blühende Pflanze, sondern, wie hier besonders deutlich, eben auch ihr fruchtendes Stadium!

Raupe vom Aurorafalter im Schotengewirr der Mondviole...von weitem bis ganz nah


Masseneinflug von Distelfaltern

Seit ein paar Tagen ist der Luftraum in unseren Breiten belebt und beseelt mit einer Fülle von ziehenden Faltern. Tausende Distelfalter (Vanessa cardui) aus Südeuropa und Afrika wandern über die Alpen in unsere Breiten. Schaut man zum Beispiel an einem Fluss, wie der Birs eine längere Zeit übers Wasser, bemerkt man Dutzende dieser „staubigen Wandergesellen“ sich deutlich nach Norden bewegen. Bis zwanzig Schmetterlinge pro Minute liessen sich am 16. Mai dort zählen! Gerne machen sie auch Rast in unseren blühenden Wiesen, wo sie sich vor allem am Rotklee und der Feldwitwenblume für kurze Zeit verköstigen. Schaut man genauer hin, ist man überrascht von der Schönheit ihrer farbigen Flügelpracht.

Solche Massenwanderungen von Distelfaltern hat es immer wieder gegeben. Stellvertretend für viele Berichte zitiert Hörner in seinem Buch „ Der Schmetterling“, Stuttgart 1991: „Der große alte Schmetterlingsforscher Adalbert Seitz hat den Massenaufbruch von Distelfaltern erlebt und dieses Schauspiel einer sanften Gewalt in der Natur aufgezeichnet: »In Nordafrika lag ich einmal in den Morgenstunden an den Ufern des Mittelmeers. Die schräg ansteigende, vollständig verdorrte Halde war dicht besetzt mit dürren Distelbüschen. In jedem Busch hingen Puppen von Distelfaltern, die alle schlüpfreif waren. Nach kurzer Zeit, etwa einer halben Stunde, öffneten sich die Puppen und die Falter schlüpften, nach einer weiteren Stunde waren alle ausgewachsen, und kurz darauf, wie auf Kommando, erhob sich die große Schar und flog wie eine Wolke über das Mittelmeer« (BLAB 1987). „



Mai

Zwergbläuling (Cupido minimus)

Seit vier Jahren kann man im neugeschaffenen Biotop bei der Sternwarte den kleinsten Bläuling Europas beobachten. So unübersehbar seine Raupenfutterpflanze, der Wundklee (Anthyllis vugaris) den Ort im Mai und anfang Juni prägt, so unauffällig lebt der braun-silberne Zwergbläuling im Wundklee-Lebensraum. Nur wenige Pflanzen an trockenen kalkreichen Standorten genügen ihm offenbar, um sich aus mehr als 4 Kilometer Entfernung  in wenigen Jahren  ansiedeln zu können. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man weiss, dass beide Arten, der Wundklee, wie auch der Falter bei uns nicht mehr häufig sind! Das Weibchen legt seine weissen, reich strukturierten  Eier  in die wolligen Blütenköpfe des Wundklees. Die Raupe von C. minimus lebt versteckt im Blütenkelch  und frisst dann die anreifenden Samen. Wollen wir den kleinen Bläuling erhalten und fördern , dürfen wir solche Lebensräume nicht vor Anfang/Mitte Juli mähen!



April

Aurorafalter fliegt nur über sonnige Wiesen...

Der Aurora ist ein Frühlingsbote –zur Zeit der Löwenzahnblüte kann man  den weiss-orange leuchtenden Falter auf morgendlich durchsonnten Maiwiesen beobachten. Selten ruht das schöne Männchen auf einer Blüte, wie z.b. auf dem Wiesenschaumkraut, denn bei schönem Wetter durchfliegt es Wiesen und Waldränder beinahe pausenlos: es ist auf der Suche nach frisch geschlüpften Weibchen! Das unscheinbare Weibchen legt seine spindelförmigen orangen Eier an frische Blütenstiele von Kreuzblütlern. Gut zehn Monate überdauert die holzartig wirkende Puppe im stehengelassenen Krautsaum der Hecke. Mähe ich solche Säume, vor allem in der Nähe seiner Raupenfutterpflanze (am Goetheanum oft an Knoblauchhederich) schneide ich mir auch etwas „Frühlingsfreude“ in der Landschaft weg!

Das Männchen vom Aurorafalter verweilt nur kurze Zeit auf Wiesenschaumkraut oder zum Sonnen in Bodennähe
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