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Jahreszeitliche Schmetterlingsbeobachtungen

Hier folgen in loser Folge kleine Beobachtungen und Notizen aus dem Schmetterlingsgarten

Winterbilder - Advent

Wer denkt im Advent schon an Schmetterlinge?

Während die bekannten Nesselfalter, wie Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs als Falter irgendwo in einem hohlen Baum, kühlen Estrich oder Keller durch den Winter gehen, überwintert  der Schwalbenschwanzfalter als Puppe. Ähnlich  einer pflanzlichen Knospe "ruht" der wachsende Schmetterling in seiner kristallinen starren Hülle oder Kokon. Die Lebensprozesse, wie Atmung und innere Stoffwechselprozesse sind dabei auf ein Minimum reduziert.  - Und doch ist schon alles vorbereitet: die Flügel und der dreiteilige Leib sind  vorplastiziert und schimmern durch die dünne Haut der Puppe.

Diese "aktive" Ruhe der Schwalbenschwanzpuppe ist ein Bild für innere Verwandlung und für das Zusammenwirken irdischer und kosmischer Kräfte. Die Puppen laden uns ein, etwas innezuhalten  in der oft  unruhigen Vorweihnachtszeit.

 

Goldgrün und erdfarbig: zwei Puppen des Schwalbenschwanzfalter im Raupenkasten

Frühherbst

Tagfalter im Frühherbst

Wie die Herbstreife  vieler Früchte und Samen dieses Jahr einige Wochen früher einsetzte, „verflog“  der Falter-Sommer enstprechend früh schon im Monat August.

Neben Bläulingen in der dritten Generation, fliegen im September und Oktober aber noch der Gelbling oder Heufalter (Colias hyale)  und der orange Postillon oder Wandergelbling (Colias crocea) über spätblühenden Wiesen. Diese Falter lieben den Wiesenrotklee und die Feldwitwenblume! Der Postillon fliegt alljährlich aus dem Mittelmeergebiet in unsere Breiten und seine orange Flügelfarbe zeigt im Vergleich zu den nördlichen Colias-Arten sehr schön, wie sich die Leuchtkraft der Trachten von Norden nach Süden steigert. (siehe A. Suchantke in „Metamorphosen im Insektenreich“)

Neben Admiralen und Tagpfauenaugen lässt sich noch ein anderer spätfliegender Tagfalter beobachten:  Der Mauerfuchs (Lasiommata megera). Mit leicht angewinkelten Flügeln kurvt er gerne um Trockenmauern und entlang von Mergelwegen und Plätzen um dann plötzlich  irgendwo in der Mauer zu verschwinden...dank seiner Ruhetracht löst er sich optisch in der Mauer- und Steinumgebung auf.

 

August

Bunter Nachtfalter im August

Mit etwas Glück kann man jetzt in seinem Garten, vor allem auf dem Sommerflieder oder Buddleja einen wunderschönen Nachtfalter entdecken

Der Russische Bär oder Spanische Flagge (Panaxia quadripunctaria)

Dieser südeuropäischen Falter hat das „Schmetterlingstal“ von Petaludes auf Rhodos wegen seiner sommerlichen Massenvorkommen berühmt gemacht. (Weitere Informationen) Der schöne Bärenspinner ist in der Ruhestellung oder bei der Nektaraufnahme (die Falter lieben Wasserdost, aber auch Buddleia etc.) kaum zu sehen: oft verschwindet die schwarz-weisse Streifung seiner Vorderflügel  im Licht-und Schattenspiel der Vegetation – fliegt er aber auf, leuchtet er uns wie ein rot-bunter Farbentupfer entgegen. Die in der Ruhestellung verdeckten Hinterflügel sind rot mit schwarzen Punkten gefärbt.

Die Raupen fressen ab September u.a. an  Taubnessel, Brennessel, Hasel, Brombeere. Nach der Überwinterung im nächsten Juni verpuppen sie in einem weichen weißgrauen Gespinst am Boden. Im Juli schlüpft dann die nächste Generation der Spanischen Fahne.

 

Johannizeit

Sommerfalter - Schachbrett und Grosses Ochsenauge

Neben den häufigen Sommerfaltern, wie das Grosse Ochsenauge (Maniola jurtina) der Braune Waldvogel (Aphantopus hyperantus) und das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus)  fliegt bei uns  auch der schöne schwarz-weiss gemusterte Schachbrettfalter oder das Damenbrett (Melanargia galathea).  Seit seiner Wiederansiedlung vor zehn Jahren hat sich bis heute eine winzig-kleine Population auf  den Goetheanumwiesen halten können.

Obwohl weit verbreitet, ist dieser "Sommervogel" vor allem im Flachland nicht mehr häufig. So gibt es beispielsweise im nahen Birseck zwischen Aesch und Basel nur noch zwei bis drei kleine, voneinander getrennte Populationen, welche sehr gefährdet sind.

Durch Fördern von Blumenwiesen und spätblühenden Säumen mit Flockenblumen, Dost etc. in der offenen Feldflur können wir das lichte Spiel der Schachbrettflügel wieder in unsere Landschaft bringen.

Literaturhinweis: Über den Zusammenhang von Landschaftsqualität und Verhalten, bzw. Raumnutzung des Schachbrettfalters ist 2004 am Forschungsinstitut am Goetheanum eine  Arbeit von Johannes Wirz & Daniel Kuster erschienen. (kann als pdf-Datei unter folgender Adresse heruntergeladen werden: www.schmetterlinge.goetheanum.org/1507.html)

 

 

Schachbrett und Grosses Ochsenauge auf noch nicht gemähten Johanniwiesen
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